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Zusammenfassung


Was heißt dieses oft benutzte Wort „Nachhaltigkeit“ eigentlich? Welche Rolle spielen Human-Wildlife Konflikte bei der Jagd und wieso ist es richtig, dass sich die Natur theoretisch selbst regulieren kann?




Was haben folgende Begriffe gemeinsam:

Fleischbesorgung, Wildbestandsregulierung, Wildschadensregulierung, Erholung in der Natur, Hege des Wildbestandes, Verbesserung von Lebensräumen, Erhaltung von Lebensräumen, Prävention von Krankheiten, Artenschutz und Artenvielfalt?

Richtig, das Rätsel ist nicht allzu schwer zu lösen. Denn die Jagd kann all das gleichzeitig vereinen. Nur weiß das weder ein Großteil der Bevölkerung, noch sind sich einige Jäger über die Tragweite ihres Handelns bewusst. Zusätzlich sind Worte wie Artenschutz oder Nachhaltigkeit meist nicht mehr als ein Marketingslogan. 

Das Thema vor dem Hintergrund der Jagdreisen einmal mit ein wenig Sarkasmus zusammengefasst:

Meme Jagdreise

Es kursieren viele Einstellungen und Ideen über Jagdreisen. Und wenn wir mal ehrlich sind, machen einige Tierrechtsverbände ein deutlich besseres Anti-Jagd Marketing, als wir Pro-Jagd. Journalisten, die sich hinreißen lassen nur schelcht recherchierte Artikel zu veröffentlichen, machen das Ganze nicht besser:

PETA geht sogar so weit und stört sich an Jagdmöglichkeiten in virtuellen Spielen:

PETA stört sich an Jagd in Videospiel

Die Frage ist, wie schaffen wir Jäger es, dass wir in Bezug auf Jagdreisen nicht mehr als pure Mörder dargestellt werden? Wie können wir die Gesellschaft davon überzeugen, dass Jagdreisen einen Vorteil für die Natur mit sich bringen?

In unseren Augen gibt es da keine schnelle Zauberformel. Wir Jäger haben ein Imageproblem, vor allem was Jagdreisen angeht. Selbst innerhalb der Jägerschaft ist der schlechte Ruf einer der häufigsten Gründe keine Jagdreise zu machen.

Um das in den Griff zu bekommen ist jeder Einzelne von uns gefragt. Es braucht ein Umdenken auf mehrerern Ebenen.

In der kommenden Artikelserie werden wir uns mit diesem oft benutzen Wort der "Nachhaltigkeit" beschäftigen, werden gemeinsam erforschen, was sich dahinter verbirgt, was das für die Jagd und Jagdreise bedeutet und wie uns dieses Konzept den Hintern retten kann, wenn es um unseren Ruf geht. Dass wir Jäger einen ordentlichen Ruf haben ist besonders wichtig, wenn es um politische Entscheidungen geht, die uns und die Jagd einschränken sollen, je schlechter unser Ruf und je emotionaler die Diskussion, desto eher ziehen wir den Kürzeren.

Ein Kurzeinstieg zur Nachhaltigkeit

Wir alle haben den Begriff tausende Male gehört: "Nachhaltigkeit" oder im Englischen "Sustainability".

Wenn man Passanten auf der Straße anspricht und fragt was Nachhaltigkeit eigentlich bedeutet und wie diese definiert ist, dann packen die meisten schnell ihre Schwimmflüge aus, bevor sie schwammig versuchen eine Erklärung zu geben. Nachdem sie dann irgendetwas mit „Natur“ gesagt haben, ist die Antwort auch schon abgeschlossen.

Nachhaltigkeit bedeutet im Grunde nichts anderes, als das wir mit unseren momentanen Dingen (Natur, Geschäften, Autos, meinetwegen im übertriebenen Sinne Deine Zahnbürste) so umgehen, dass diese Dinge noch die Bedürfnisse unserer Kinder, Enkel, Urenkel…, also zukünftigen Generationen, genügen.

Die formale Definition aus dem Brundtland- Bericht lautet wie folgt:

Als aller erstes sollten wir uns bewusst werden, dass Nachhaltigkeit eine „Erfindung“ des Menschen ist. Der Begriff stammt aus der Forstwirtschaft und wurde zum ersten Mal 1713 eingeführt.

Die heutige Natur (eigentlich Kulturlandschaft) kann sich selbst nicht mehr regulieren, wenn wir Menschen ein noch stärkeres Artensterben verhindern wollen.

Dem ein oder anderen sind bestimmt die Lotka- Volterra Regeln aus dem Biologieunterricht noch ein Begriff. In einer hypothetischen Welt, in welcher der Mensch nicht in die Natur eingegriffen hat, also keine Städte baut, kein Straßennetz errichtet, keine Landwirtschaft betreibt und keine Abgase in den Himmel pustet, besagen diese Regeln, dass sich Raubtier, sowie Beutepopulation von selbst reguliert, und zwar nach folgendem Schema:

Wie Du sehen kannst, schwankt die Anzahl an Beutetieren und Raubtieren stetig. Die 1. Regel besagt, dass die beiden Populationen zeitlich versetzt schwanken (bei ansonsten konstanten Bedingungen, also keinen Naturkatastrophen, Seuche oder ähnlichen äußeren Einflüssen).

Das liegt daran, das davon ausgegangen wird, dass je größer die Beutetier-Populationen sind, die Räuber mehr Nahrung haben, um mehr Nachwuchs groß zu ziehen. Also töten sie öfters und bringen mehr Junge zur Welt, die dann zeitlich versetzt zu der höheren Beutegreifer-Population führen. Durch den größeren „Hunger“ dieser Population, werden die Beutetiere daraufhin stark reduziert.

Weil nun weniger Nahrung vorhanden ist, sinkt die Raubtierpopulation wieder, weil viele Tiere verhungern, da es einfach nichts zu fressen gibt.

Nachhaltig ist das nicht, weil beispielsweise eine Generation mit vielen Raubtieren nicht mehr genug Nahrung für das Überleben der kommenden Generation übriglässt und somit gegen die oben genannte Definition der Nachhaltigkeit verstößt.

Warum funktioniert das heute nicht so, wie oben beschrieben?

Auch wenn es nicht nachhaltig ist, scheint sich nach dieser Theorie die Natur doch selbst zu regulieren. Kommt Dir dieser Satz bekannt vor? Richtig! Das ist das Erste, was man von Jagdkritikern hört.

Das Modell lässt unter anderem außer Acht, dass so gut wie alle Raubtiere mehrere Beutetiere haben und auf ein Beutetier oft Jagddruck von mehreren Prädatoren ausgeübt wird. Sollte dieses Aussterben, heißt das nicht, dass auch die Raubtierart zwangsläufig ausstirbt.

Außerdem werden Populationsschwankungen aufgrund von äußeren Umständen vernachlässigt, z.B. Naturkatastrophen, Veränderung der Lebensräume…

Der Grund, der aber am ausschlaggebendsten ist, ist dass wir Menschen in diesem Modell nicht existieren. Was machen wir bei der Jagd neben dem Gewinn von gutem Fleisch, der persönlichen Erholung, …?

Wir balancieren den sogenannten „Human- Wildlife Conflict“. Also ein Nutzungskonflikt zwischen uns Menschen und der Tierwelt. Worum „streiten“ wir uns mit den Tieren? Simple gesagt: um die ganze Welt.

In einer seiner wissenschaftlichen Arbeiten von 2017 schreibt Prof. Hackländer:

Natur, also eine Fläche ohne jeglichen menschlichen Einfluss, kann es vor diesem Hintergrund nirgendwo geben. Schließlich hat der Mensch selbst in streng geschützten Wildnisgebieten einen Einfluss auf die Natur, z.B. durch den Eintrag von anthropogenen Schad- oder Nährstoffen über die Luft.“  

Das bedeutet: Es gibt fast kein Fleckchen Erde, dass wir Menschen nicht beeinflussen. Schauen wir uns kurz unsere Heimat an:

Wir kultivieren Natur für Felder, auf denen wir Nahrung für uns und unsere Nutztiere anbauen, wir schaffen Wiesen, um diese Tiere dort zu halten, wir bauen Städte, in denen wir wohnen und Straßen, auf denen wir fahren. Selbst unsere Wälder sehen irgendwie aufgeräumt aus, weil wir Forstwirtschaft betreiben.

Wenn wir aufhören würden diese Dinge zu tun, dann würde unser Land aus Urwald bestehen. Wälder mit vielen toten Gehölzen auf dem Boden und weit mehr Möglichkeiten für Tiere sich zu verstecken.

Wir verändern also in großem Stil die Welt, damit sie besser zu unseren Lebensweisen passt. Dabei verändern wir ganze Lebensräume und häufig auch solche, die vor allem für Kulturflüchter wichtig sind. 86 % der Säugetiere auf der Roten Liste haben eine Sache gemeinsam. Sie sind gefährdet, weil ihr Lebensraum immer kleiner wird. Das Rotwild ist beispielsweise Steppenbewohner, die wir durch unsere Anwesenheit in die Wälder getrieben haben.

Ich meine… so ein Geweih ist schon eher unpraktisch im Wald… ;)

Auch das Birkwild haben wir durch die Veränderung des Lebensraumes auf die rote Liste gedrückt. Durch Trockenlegung und die forstliche Nutzung von Mooren mit Baumbewuchs (im betrachteten Gebiet ein Rückgang von 43,94 %) und das Nutzen der offenen Heide (-61,03 %) als Forstfläche und Agrarland und der Ausbreitungen von Siedlungen (+32,06 %)  in Niedersachsen haben wir Menschen den Lebensraum zerstört. Zusätzlich haben wir es Raubtieren, wie dem Fuchs erleichtert Birkhühner zu töten. Es wurde sogar herausgefunden, dass je mehr Straßen in einem Gebiet sind, desto weniger Birkwild ist vorhanden.  

Zusammenfassend könnte man auch sagen, dadurch dass wir Menschen leben wie wir wollen, töten wir Tiere durch den Verlust ihres Lebensraumes.

Also wenn Dich demnächst mal ein Veganer oder Vegetarier fragen sollte, warum Du Tiere tötest, erkläre ihm ruhig den Grund und frage ihn anschließend, warum er es auch tut. 

Weiter schreibt Prof. Hackländer:

Was meint er damit konkret? Klassisch sind Kulturfolger wie das Schwarzwild dafür verantwortlich hohe finanzielle Schäden zu hinterlassen. Damit Bauern, Autofahrer oder Garteneigentümer die Tiere trotzdem dulden, dürfen diese Schäden nicht zu oft auftreten und falls doch, sollten sie in irgendeiner Weise ersetzt werden.

Passiert das nicht, nehmen Bürger das „Wildtiermanagement“ im schlimmsten Fall selbst in die Hand und töten was Ihnen vor die Nase kommt. Das nennt man auch Wilderei. Ein großes Problem, weswegen Tiere ebenfalls auf der Roten Liste stehen.

Kulturflüchter haben das Problem, dass wir ihnen den Lebensraum stehlen und zusätzlich die Welt so verändern, dass sie oft einfacher von Raubtieren getötet werden können. Deswegen bejagen wir Raubtierpopulationen wie Füchse und versuchen Arten wie dem Rebhuhn Lebensraum zurückzugeben, indem wir neue Hecken pflanzen. Wir versuchen Kulturfolger vor dem Aussterben zu bewahren.

Was Du als Jäger also machst, ist eine Balance zu schaffen. Eine Balance zwischen menschlichen und tierischen Bedürfnissen.

Hier ein negatives Beispiel aus Afrika, wie Jagdreisen genau dieses System erfüllt haben und durch Unwissenheit trotzdem abgeschafft wurden (deswegen müssen wir auf unseren Ruf achten): 

Wir haben nun geklärt, dass es bei Nachhaltigkeit darum geht, mit den vorhandenen Ressourcen so um zu gehen, dass auch nachfolgende Generationen unbeeinträchtigt Leben können. Wir haben uns kurz angeschaut, was für Außenstehende in unseren Augen der verständlichste Grund ist, warum wir jagen müssen, nämlich das Balancieren Human-Wildlife Konflikte. Das tun wir um die Tierarten zu erhalten, die wir heute haben. So können sich künftige Generationen an ihnen erfreuen, wie wir es tun.

Jetzt fehlt uns aber noch wie wir die eigentlich nachhaltig richtig jagen. Und hierfür stelle ich Dir zum Schluss noch kurz die Grundzüge eines Konzeptes vor, dass dann in den nächsten Artikeln weiter vertieft wird.

Das Modell hat verschiedene Namen, man kennt es unter „Triple- Bottom- Line“, den „3P‘s“ oder dem „3- Säulen Modell“. Es geht darum Nachhaltigkeit etwas griffiger und praxisnäher zu gestalten. Deswegen teilt man sie in Unterkategorien ein:

  • Ökologische Nachhaltigkeit
  • Ökonomische Nachhaltigkeit
  • Sozio-kulturelle Nachhaltigkeit

Worum es genau in diesen Unterkategorien geht und wie man mit ihnen die Nachhaltigkeit der eigenen Jagd bestimmen kann, erklären wir Dir in unseren nächsten Beiträgen.

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Information zu diesem Artikel


  phillip.henke@jagdreisencheck.de

 

  Artikel , Nachhaltigkeit

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