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Zusammenfassung





Ich hackte verzweifelt Kombination aus spanischen Wörtern, die mit „Jagdreise“ zusammenhingen in die allwissende Suchleiste von Google, doch Jagdgelegenheiten in Mexiko zu finden stellte sich online als schwieriger heraus als angenommen.

Nach einer gefühlten Ewigkeit des erfolglosen Herumklickens auf Links, schließen von Fenstern und dem Anpassen der Suchanfragen schaute ich enttäuscht in die Richtung meines Mitbewohners:“ Sag mal, kennst Du jemanden, der hier in Mexiko jagt?“ „Ja, ich bin Jäger?.“, erwiderte Rodrigo.

Etwas verdutzt, dass ich an diesem Tag doch noch das Licht am Ende des Tunnels erblicken würde und eine Möglichkeit auf eine Jagdreise im Land des Tequilas bekomme, schmiss ich den Laptop zur Seite und antwortete „Si, definitivamente!“ auf die Frage, ob er seinen Vater anrufen solle, um eine Jagd zu planen.

Ein paar Wochen später saßen wir im Flieger Richtung Mexiko City, reisten von dort aus weiter mit dem Bus und trafen in Puebla Rodrigos Vater Filemon, der uns ins Auto einpackte, indem wir zu fünft mit einem Freunde der Familie und Rodrigos Bruder bis ins Revier fuhren.

Natürlich hatte ich zuhause ein bisschen das Orakel Google befragt und versucht mehr über heimische Tierarten und die Jagd in Mexiko zu erfahren. Denn die Liste an jagdbarem Wild, die mir geschickt wurde, kam mir doch etwas sehr gemischt vor. Europäisches Schwarzwild, Mähnenspringer, Katalanische Ziegen, Muffelwild…

Online war das einzige, was ich fand, dass die verschiedenen Tierarten Anfang bis Ende des 20. Jahrhunderts eingeführt worden sind. In meinem sehr positiv eingestellten Kopf ging ich davon aus, dass die Tiere aus wirtschaftlichen Gründen wie der Pelzherstellung eingeführt wurden, aus ihren Gehegen irgendwann entschwanden und sich nun in der mexikanischen Natur breit machten.

Ich war super gespannt auf diese Erfahrung vor allem, weil alle, bis auf mich, mit Bogen jagen würden. Meine Erfahrungen mit Jagdbögen begrenzten sich auf ein paar Schüsse und eine Podcastfolge mit Luis Hant, dementsprechend freute ich mich eine neue Jagdart kennenzulernen und den ein oder anderen Pfeil sauber einer Zielscheibe anzutragen.

Am ersten Morgen lernten wir den Besitzer des Reviers, Don Vicente, am Jagdhaus kennen. Filemon war so nett und brachte mir eine Waffe mit. Natürlich wollte ich gerne ein paar Probeschüssen tätigen, um mich mit dem Schießeisen vertraut zu machen und zu sehen, ob die Kugeln auch dort einschlagen, wo ich das Fadenkreuz hinsetzte.

„Ja, das ist etwas unpraktisch, weil wenn das Wild die Schüsse hört, sind sie ziemlich alarmiert.“, erwiderte der Chef des Hauses.

Gut, dachte ich, dass kann ich nachvollziehen, ist ja bei uns auf Drückjagden nicht anders. Da ich sonst vorab auch keine anderen Informationen über das Revier bezüglich Größe und Lage hatte, machten wir aus, dass ich die Waffe am Nachmittag kontrollschießen könne und wir den Tag damit verbringen Möglichkeiten für die Bogenjäger herbeizuführen.

Wir packten unser Equipment, liefen zur Rundscheibe, um die Bögen kontrollzuschießen und auf einmal hörte ich typische Nachtansitzgeräusche.

Automatisch schnellte mein Blutdruck unter die Decke und mein Blick fegte in Richtung der Laute. Eine zehntel Sekunde später hatte mein Hirn dann verarbeitet, was das Licht in Richtung meiner Augen transportierte. Ich sah einen Zaun. Ein Gehege. Mit Schwarzwild zwischen den Maschen.

So ganz konnte ich meinen eigenen Sinnen noch nicht glauben. Während der Rest begann die Bögen zu kontrollieren marschierte ich langsam in Richtung Gehege, um die Situation von nahen zu inspizieren. Und es war weder eine Halluzination, noch hatte ich am Vorabend zu tief in den Agavensaft geschaut, ich stand vor einem Schwarzwildgehege.

Wieder bei den anderen fragte ich Jose unseren Berufsjäger „ganz unauffällig“, ob sie die Sauen dort züchten würden und er antwortet mit einer Selbstverständlichkeit als wäre das komplett normal:“ Ja, wir züchten die Schweine dort und setzten sie danach im Revier aus.“

Aufgrund von verschiedenen rechtlichen Dingen hatte ich mich am Vorabend entschieden eine der Ziegen zu jagen und war weiterhin ganz Ohr:“ Und züchtet ihr auch noch andere Wildarten?“. Kopfnickend bejahrte Jose meine fragte. Das Äffchen in meinem Kopf sagte mir, dass die Jagd für mich gestorben sei. Wie kann ich Mitgründer einer Plattform wie Jagdreisencheck sein, auf der wir Artikel veröffentlichen wie:

Zusätzlich ein Bewertungssystem entwickelt haben, dass Dir Rückmeldung über die Nachhaltigkeit eine Jagdreise gibt und dann trotzdem in einem Revier jagen gehen, dass freudig „Wildtiere“ züchtet und einkauft?

Aber mein eigenes Hirn und mein natürlicher Jagdtrieb (der mir noch nie so bewusst geworden war wie in diesem Moment) wollten mich noch nicht aufgeben lassen, die Informationen irgendwie so zu interpretieren, dass das ganze doch gar nicht so ein Problem darstellen würde.

Mir schossen zwei Gespräche mit anderen Jagdreisenden in den Kopf, die mir erzählten, dass Wildziegen in anderen Ländern ein recht großes Problem geworden sind, weil sie sich so schnell vermehren würden.

„Und mit den Wildziegen? Die müsst ihr nicht züchten oder? Die vermehren sich in den Bergen ganz alleine?“

Jose gab mir recht, die Ziegen mussten nicht gezüchtet werden und schon war die Möglichkeit doch jagen zu können wieder in greifbarer Nähe.

„Wenn ich dann noch nicht mal eine Trophäe erlege, sondern reine Fleischjagd betreibe… dann könnte man ja eigentlich sagen, dass ich das Ganze hier kaum unterstütze.“

 „Da die Ziegen nicht gezüchtet werden und natürlich dort vorkommen sollten sie von uns Jägern reguliert werden.“

„Ich würde damit doch sogar etwas Gutes tun, weil es keine einheimische Wildart ist.“

„Das bekommt doch eh niemand mit, ob ich hier jetzt jage oder nicht!“

Diese und einige weitere Gedanken flogen mir auf der Ladefläche des Pick-Ups auf dem Weg ins Revier durch den Kopf. Irgendwie versuchte ich zu rechtfertigen, dass ich jagen kann. Zugegeben, ich war auch schon gute 3,5 Monate auf Entzug…

Dann rollten wir ins Revier ein.

Einrollen? Wie einrollen?

Was ich noch nicht wusste war, dass das großzügige Areal von rund 150 ha – wie ich später erfuhr – komplett von einem Zaun umgeben war.

jagdreisencheck.de_jagdreiseMexiko_Toreingang

Nach diesem Moment war dann kurze Stille in meinem Kopf. Ich glaube, selbst der war etwas entgeistert…

„Gut Phillip, also das war’s dann wohl, jetzt kannst Du aufhören Dir vorzugaukeln, dass Du hier in irgendeiner Weise etwas Gutes für die Natur tust. Wenn Du ehrlich bist, sind die Ziegen auch nur hier hin importiert worden, weil sie jemand umlegen möchte…genau wie auch alle anderen Tiere“.

Ich war in einem Bordell gelandet. Da wo ich nie jagen wollte, dass was ich nie unterstützen wollte, war nun genau das, wo ich mich mit drei anderen Jägern auf der Ladefläche eines Pick-Ups wiederfand.

Das Revier kannte man nach gefühlten zwei Stunden, Wild hatten wir nach 3 Minuten entdeckt – Muffel, die uns von oben beäugten. Kurz darauf ein zweites Rudel, das absprang als wir mit dem Pick Up 40 Meter neben ihnen fuhren. Und am Abend gab’s dann auch noch einen Eland zu bestaunen, an den ich ohne Probleme 40 Meter nah ran konnte.

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Das Terrain war nicht das anspruchsloseste, mit einem Haufen an Pflanzen, die einem ins Knie, die Oberschenkel oder in den Hinten stachen, als man durch die Natur pirschte.

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An diesem Tag hatte keiner von uns Jagderfolg, wir pirschten mehrere Stunden, beobachteten Hänge, machten Mittagspause und wiederholten die Pirschgänge. Wir platzierten uns abends noch an Wasserlöchern und hofften, dass Wild würde vor der Nacht noch einmal zum Schöpfen kommen.

Wir kamen im Dunkeln zurück an das Jagdhaus und richteten uns für das Abendessen. Jose war so lieb und fuhr zum OXXO (Junkfoodsupermarktähnliches Tankstellengeschäft in Mexiko) um kleine Besorgungen zu machen, während wir anderen unser mitgebrachtes Fleisch, Feuer und Beilagen präparierten.

Den Abend verbrachten wir, wie üblich jagend in der ganzen Welt, mit ein wenig einheimischen Getränken, guten, selbst gekochten Essen und redeten über unsere Passion. Der Besitzer Don Vicente hatte ein halbes Leben an Jagdreiseerfahrung und ließ uns unter anderem an einer Jagd auf Polarbären teilhaben. Ich teilte meine Erfahrungen aus Afrika und Europa und wir diskutierten Unterschiede, von Kultur über Gesetze bis hin zu Equipment.

Am nächsten Tag ging es früh raus und wieder ab ins Revier. Don Vicente transportierte uns auf dem Pick-Up zu Joses Standort, der schon ein Jagdbares Stück Wild ausgemacht hatte. Um möglichst wenig Aufsehen zu erregen, entledigten wir uns der überdrüssigen Personen auf dem Pick-Up (unter anderem mir). So erhöhten wir die Chance, dass Filemon, der Vater meines Mitbewohners, Jagderfolg haben konnte.

Das Stück stand unterhalb eines kleinen Berges mitten im Revier und die Jäger entschieden von hinten den Berg zu besteigen, um sich dann innerhalb von wenigen Metern Entfernung zum Stück in eine günstige Position bringen zu können.

Wir beobachteten das Spektakel von der anderen Talseite, konnten Führer und Jäger sehen, als sie oben versuchten sich in Position zu bringen und hatten die ganze Zeit die Wildziege im Blick.

Auf einmal sahen wir, wie sich ein Körper aufrichtete, sich drehte, den Bogen spannte und kurz darauf erreichte das Geräusch einer flitzenden Sehne unser Gehör. Die Ziege, eindeutig zeichnend, verschwand im nächsten Kaktus.

jagdreisencheck.de_jagdreiseMexiko_Schuss

Wie sehr hattest Du in den letzten Zeilen noch im Kopf, dass wir in einem 150 ha Bordell waren und auf rein gezüchtetes und importiertes Wild „gejagt“ haben?

Genau so war es für mich auch. Die Jagd an sich hat sich nicht anders angefühlt. Am erlegten Stück angekommen mischten sich Gefühle von Erleichterung, da das Stück nur noch weniger Meter gemacht hatte, mit Trauer gerade dabei gewesen zu sein ein Leben genommen zu haben. So wie immer.

Und dann schoss dieser Gedanke wieder in meinen Kopf, dass wir ein Zootier getötet haben.

Auch wenn es in Mexiko, so wie in vielen Ländern auf der Welt, nicht diese jagdlichen Traditionen gibt wie bei uns, muss ich sagen, dass alle Jungs das jagdliche Herz am rechten Fleck haben.

jagdreisencheck.de_jagdreiseMexiko_Erleger

Am Stück fielen Sätze wie:

„Was für Emotionen…“

„Sollte ich kein Jagdfieber mehr haben, höre ich auf zu jagen.“

Auch die anderen konnten an dem Tag noch jeweils ein Stück erlegen und während sie am Jagen waren, saß ich mit Rodrigos Bruder Diego, der nicht jagen wollte, auf einem Berg mitten im Revier. Von hier aus konnten wir die anderen beobachten.

Ich nutzte den Moment, um dem Ersten zu erklären, dass ich nicht jagen werde und schilderte meinen Standpunkt, den er komplett nachvollziehen konnte. „Jeder hier darf seine Meinung vertreten und hier wird niemand gezwungen etwas zu tun, was er nicht möchte.“

Zurück im Jagdhaus angekommen hieß es dann: „Phillip, jetzt fehlst nur noch Du.“ Und ich antwortet „Ich werde nicht jagen.“ In der Erwartung gleich die Frage nach dem „Warum“ gestellt zu bekommen. Zu meiner Verwunderung blieb die aber aus.

Später am Abend saß ich auf der Couch und arbeitet ein kleines bisschen, als Filemon aus den Federn gehüpft kam und sich zu mir setzte. „Weißt Du Phillip, das war das erste Mal, dass wir auf einer solchen Jagd gewesen sind. Normalerweise läuft das bei uns ganz anders ab.“

Das war der Startpunkt einer zweistündigen, sehr angenehmen, Diskussion über Jagd und verschiedene Jagdarten, die wir zu zweit begannen, in die sich Paul, der Freund der Familie, der den Jagdkontakt vermittelt hatte, mit integrierte und später mein Mitbewohner und sein Bruder sich zu uns gesellten.

Wie oben gesagt, habe ich keinen Zweifel, dass ihr jagdliches Herz am rechten Fleck sitzt, es hat einfach nur das Hintergrundwissen gefehlt, um die Auswirkungen des Handelns erfassen zu können.

Paul brachte zwischenzeitlich das Argument, dass solche Ranches sicherstellen, dass die Tierarten in anderen Ländern nicht aussterben. Das Standardargument, dass man oftmals von amerikanischen Auslandsjägern hört. Meiner Meinung nach großer Quatsch.

Wenn wir natürliche Artenvielfalt fördern wollen, dann hat ein nord- oder südafrikanisches Tier nichts in Mexiko zu suchen. Das ist nicht natürlich und deutlich gefährlicher für die Flora und Fauna vor Ort, wenn es ausbricht. Wenn wir Tierarten retten wollen, muss das vor Ort in ihrem Habitat geschehen.

An diesem Wochenende hat die Jagd die Natur nicht unterstützt. Haben wir dafür gesorgt, dass Arbeitsplätze geschaffen werden? Ja! Haben wir dafür gesorgt, dass eine Firma weiterhin im Geschäft bleibt? Ja!

Aber das war’s leider. Und damit können wir meiner Meinung nach, der Meinung von Jagdreisencheck und der IUCN die Jagd nicht vor der Gesellschaft rechtfertigen.

Filemon erklärte, dass er voll auf meiner Seite sei, dass Jagd nachhaltig sein muss und wir Jäger, mit dem was wir tun die Natur unterstützen müssen und dass das in diesem spezifischen Fall tatsächlich gefehlt hat.

Eines seiner Argumente für eine eingezäunte Ranch war der Punkt Sicherheit, der mir aus diesem Blickwinkel noch nicht in den Kopf geschossen war. Sicherheit für die Tiere vor Wilderern, ja okay, das sehe ich ein, Schutz der einheimischen Flora und Fauna (in diesem Fall), dass die Tiere nicht ausbüken, auch klar.

Mexiko ist aber ein Land, in den man in manchen Staaten nicht einmal alleine Autofahren sollte und in Städten Nachts nicht alleine in den Straßen unterwegs ist. Filemon erklärte, dass wenn er mit seinen Söhnen jagen gehen wolle, eine solche Ranch immer eine Option sei, da diese deutlich mehr Sicherheit für die Jäger selbst bietet. Aber es auch Ranches mit einheimischen Tierarten gäbe, was deutlich besser ist, da hier Lebensraum für einheimische Tierarten gesichert wird.

Was mir das Gespräch aber auch klar machte ist, dass wir von Jagdreisencheck unbedingt mehrere, ausführlichere Beiträge zum Thema Nachhaltigkeit schreiben sollten. Im Detail erklären, worum es bei Nachhaltigkeit und Jagd eigentlich geht.

Natürlich habe ich die Jagdreise bei uns bewertet, um Dir, falls Du mal nach Mexiko reisen möchtest eine Idee zu geben was Dich erwarten könnte.

jagdreisencheck.de_jagdreiseMexiko_Bewertung-der-Jagdreise

Genau dafür ist Jagdreisencheck nämlich da.

Ich hatte meine Hin- und Rückreise schon bezahlt, wir haben vor Ort für Unterkunft und Verpflegung gezahlt und ich bin ehrlich gesagt immer noch ein bisschen stolz darauf den Finger trotzdem gerade gelassen zu haben. Vor allem einem Studentenbudget kann so etwas schon weh tun. Aber ich kann jetzt sagen: „Aber wenn ich schon so viel Geld gezahlt habe, dann will ich auch etwas schießen“, zählt für mich definitiv nicht als Argument.

Ich bin Jäger und kein Schießer.

Um mir, Dir und allen anderen Jagdreisenden diesen Gewissenskonflikt bei der nächsten Reise zu ersparen und uns gemeinsam finanzielle und zeitliche Ressourcen zu sparen, wäre es toll, wenn auch Du Deine Erfahrungen teilst.

Natürlich musst Du das nicht, trotzdem würden wir uns super freuen und wären einen kleinen Schritt weiter, die Branche zum Besseren zu verändern!

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  phillip.henke@jagdreisencheck.de

 

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