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Zusammenfassung


"Wenn wir uns aber die Diskussion über Trophäenimportverbote anschauen, sehen, wie oft Jäger Opfer von Shitstorms werden, glauben wir, dass wir schon jetzt Gefahr laufen, vor allem die Auslandsjagd nicht mehr ohne Einschränkungen betreiben zu können. Gesehen, haben wir das in Botswana und der Schweiz."




Die sozio-kulturelle Säule bei der Jagd


In ‘Das rettet uns Jägern den Ar***’ haben wir Dir eine Einführung in das Thema Nachhaltigkeit bei der Jagd gegeben. Am Ende erklärten wir, dass man Nachhaltigkeit in drei Säulen unterteilt (ökologisch, sozio-kulturell und ökonomisch).

jagdreisencheck.de_nachhaltigeJagd_Nachhalitgkeitsdreieck

In diesem Artikel geht es um die sozio-kulturelle Säule:

Unter jener wird versucht Indikatoren, die Einfluss auf eine Gesellschaft haben zu bestimmen und zu messen. Allgemein könnten hier die Lebensqualität, Arbeitslosenrate, das Durchschnittseinkommen oder Straftaten pro Kopf gemessen werden.

Auf die Jagd bezogen interessieren uns beispielsweise Dinge wie jagdliches Brauchtum, der Grund warum gejagt wird, geschaffene Arbeitsplätze, welche Auswirkung das Jagen auf Jäger hat und die gesellschaftliche Akzeptanz der Jagd.

Vorab, in diesem Artikel versuchen wir die Welt aus der Brille der sozio-kulturellen Säule zu betrachten und zu sehen, was schiefläuft. In der Praxis wird dies nicht immer so einseitig möglich sein, da die einzelnen Säulen teilweise gegeneinander arbeiten. Es können völlig unterschiedliche Ansätze als nachhaltig bezeichnet werden, je nach dem unter welcher Säule man sie betrachtet. Am Ende muss man eine Gewichtung einfließen lassen, aber dazu mehr in unserem letzten Artikel.

Warum sollte Dich die sozio-kulturelle Säule interessieren?

jagdreisencheck.de_Jagdreisen_Google
jagdreisencheck.de_Jäger sind Mörder

Vor allem, was Jagdreisen angeht, haben wir nicht den besten Ruf...

Wer hat Schuld daran, dass wir teilweise als herzlose Mörder dargestellt werden?

Zu einem Teil wir Jäger selbst. Die Gesellschaft hat sich im letzten Jahrhundert stark verändert. Vor allem ihre Beziehung zur Natur und zur Tierwelt.

Ein gutes Beispiel ist der Film Bambi und der dadurch inspirierte Bambi-Effekt. 1942 brachte Wald Disney den Film heraus, der zum ersten Mal eine „der Jäger ist böse“ Nachricht massentauglich machte.

Bald 80 Jahre nach der Erscheinung des Filmes wird dieser immer noch gern gesehen und neu „verfilmt“. Während dieser Zeitspanne sind sprechende Tiere, denen menschliche Eigenschaften zugesprochen werden, Teil unserer Entertainment-Gesellschaft geworden.

Dabei scheint es einen standardisierten Film Plot zu geben. Die Natur, vom Menschen unberührt gleicht einem Garten Eden, indem alle Tiere friedlich miteinander spielen und befreundet sind.

Der Mensch wird meist als gewalttätige Figur in diesen Filmen dargestellt, der das idyllische und harmonische Miteinander der tierischen Freunde zerstört. Der Störenfried, gern durch den Jäger verkörpert, wird mit Gewalt, Angst und Tot in Verbindung gebracht.

Ein denkbar schlechter Ausgangspunkt für unsere Akzeptanz in der Bevölkerung.

Zusätzlich ändert sich unser Alltag. Die Gesellschaft ist in den letzten Jahrhunderten immer weniger in der Landwirtschaft tätig und lebt vermehrt in Städten. Dadurch verlieren viele den Kontakt zur eigentlichen Funktionsweise der Natur. Ob das den Kauf der Salami betrifft, bei dem wir nicht daran denken, dass wir ein Tier getötet haben, beim Besuchen von Tieren im Zoo oder der Vermenschlichung unserer Haustiere.

Diese Zutaten im Kochtopf mit einer kleinen Prise Anti-Jagdkampagnen zusammengewürfelt, ergeben für Außenstehende ein einfaches und stimmiges Bild.

Jagd ist schlecht und Jäger sind grausame Menschen ohne Emotionen.

Was wir verpasst haben, ist rechtzeitig für uns selbst gutes Marketing zu machen, zu versuchen unseren Standpunkt darzulegen und der Bevölkerung auf ansprechende Weise zu erklären, warum Jagd sinnvoll ist und das zur Jagd sehr viel mehr gehört, als das Töten.

Und wir setzten noch einen drauf - warum militärische Waffen es nicht besser machen!

jagdreisencheck.de_militärwaffen

Ich verstehe die Argumentationen wie „Dem Wild ist es doch egal, mit welcher Waffe es erlegt wird“ oder „Der 98iger war auch mal eine Kriegswaffe“.

Spielt nur leider überhaupt keine Rolle!

In Deutschland leben rund 82.000.000 Menschen, die sich mit der Jagd nicht auskennen und für die sieht es so aus, als würden da jemand in Camouflage in den Krieg gegen Wildtiere ziehen.

Was glaubst Du? Unterstützt das eher das Bild, das PETA und Co von uns zeichnen, oder das was wir von uns haben?

Das „böse Jäger“ Bild verbessern wir damit nicht, sondern wir verschlimmern es!

Zusätzlich helfen wir den Anti-Jagdorganisationen mit Bildern, die wir von solchen Waffen im Jagdgebrauch posten, Material für die nächste „Jäger sind Killer“ Kampagne zu sammeln.

Aber schlau wie wir sind, hört’s da noch nicht auf.

Als i-Tüpfelchen tauchen dann Bilder in der Presse oder sozialen Netzwerken auf, wo wir Jäger Erlegerfotos posten, in denen wir grinsend hinter toten Tieren stehen, am besten noch mit großer, roter Schweißlache im weißen Schnee.

Für jemanden der mit Jagd nichts am Hut hat, sieht das nicht so aus, als würden wir das Wild respektieren.

Wir sollten der Welt viel öfters zeigen, dass die Jagd mehr ist. Respektvolle Erlegerfotos, Fotos von Revierarbeiten, Kitzrettungen, Hundearbeit, das verarbeitet Wildbret beim Essen mit Freunden, lebende Tier die wir beobachten...

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jagdreisencheck.de_Wildfleisch_WestwoodHunter
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Quelle: Westwood Hunter

Unser Brauchtum gehört auch zur sozio-kulturellen Säule

Bei vielen geht es auf einer Jagdreise darum eine ordentliche Trophäe zu erlegen. Daran ist prinzipiell nichts auszusetzen, solange die Jagd dadurch keine Nachteile mit sich führt, wie in unserem Artikel “Im Bordell gelandet” geschildert.

Aber sind wir mal ehrlich. Die meisten sind unzufrieden, wenn die Trophäe nicht passt oder der Anblick nicht stimmt. Sie machen den Veranstaltern Druck und die tragen zum Problem noch bei, indem ihr Marketing oft hauptsächlich über Preise und Trophäengewichte informiert. Das führt schlussendlich dazu, dass für viele die Trophäe und nicht das Erlebnis, die Jagd an sich im Vordergrund steht.

Was passiert im schlimmsten Fall? Veranstalter kaufen Zuchttiere ein, die Dir als Jagdgast als Lebenstrophäe verkauft werden. Natürlich bekommt ein spitzfindiger Reporter davon Wind und schwups hast Du und ich als Jäger wieder ein Imageproblem. Leider zurecht!

Und ja, hier hat die sozio-kulturelle Säule Auswirkungen auf eine weiter, die ökologische Säule. Durch unser Verhalten und das unter Druck setzten von Veranstaltern und deren Einkaufen von Wild schaffen wir nämlich Genetik in Gebiete, die dort gar nicht hingehört.

Mal ganz abgesehen von dem moralischen Aspekt, ein Tier zu töten, dass nur gezüchtet worden ist, damit Leute daran Geld verdienen, wenn Du es tötest.

Wenn wir im eigenen Revier jagen, verlangt solche Dinge auch niemand. Keiner setzt einen Gast in seinem Revier an und kann ihm versprechen, dass er heute Erfolg haben wird und seine Trophäe X Gramm schwer ist.

Es geht um das Erlebnis, nicht das Töten.

Wozu das führt, kannst Du Dir in dieser Dokumentation anschauen:

Ab Minute 5 wird die Versteigerung von gezüchteten Tieren gezeigt, in der ein Kudu absurde 16.000-17.000 Euro kostet.

Im letzten Drittel der Doku wird ein Veranstalter interviewt, der zugibt, dass vereinzelte Organisatoren das Tier einkaufen, dass Du als Gast jagst. Du erfährst nicht, dass das Tier mit der Hand aufgezogen wurde, denkst, dass Du etwas Gutes für die Natur tust bei Deiner Jagd und alle sind zufrieden, nachdem Du den Geldbeutel geöffnet hast (ab Minute 30).

Und ja, hier bewegen wir uns auch sehr nah an der ökologischen Säule, die wir Dir im nächsten Artikel vorstellen werden.

Für solche Praktiken müssen wir aber nicht mal nach Afrika schauen. Auch bei uns in Europa haben wir solche „Möglichkeiten“.

jagdreisencheck_Zuchthirsche_Facebook

Mit unseren unrealistischen Anforderungen an die Veranstalter haben wir eine perverse Branche erschaffen. Wir drängen Veranstalter ökologisch nicht nachhaltig zu handeln, und zwar durch einen Unterpunkt der sozio-kulturellen Säule, unserem Brauchtum, welches in Beziehung zu Trophäen bei vielen bedeutet „je dicker, desto besser“. Das wiederum führt zu schlechter Presse (und zwar gerechtfertigt) und widerstrebt unserem eigentlichen Kredo Artenschutz zu betreiben.

Warum Dich das interessieren sollte?

Vor allem die öffentliche Meinung kann große Auswirkungen auf uns haben.

Nehmen wir das Schweizer Kanton Genf, in welchem die private Jagd aufgrund eines Volksentscheides abgeschafft wurde.

Oder das Löwen-Jagdverbot in Botswana, welches die Regierung aufgrund des Drucks der öffentliche Medien durchbringen musste.

Die Debatten über Einfuhrverbote von Trophäen wie zum Beispiel zwischen Namibia und Kalifornien.

Oder ganz persönliche Shitstorms gegen Jäger, die Bilder von der Jagd posten.

Dazu stellt sich die moralische Frage. Wie willst Du in Zukunft jagen? Ob im Ausland oder Inland. Ich stand selbst schon vor dem Problem und weiß, dass es nicht immer einfach ist das Richtige zu tun.

Aber was hat das nun genau mit Nachhaltigkeit zu tun?

Nachhaltig handeln wir, wenn die Entwicklung der oben genannten Punkte unsere Bedürfnisse befriedigt und dabei zukünftige Generationen an Jägern nicht die Möglichkeit nimmt, die Jagd frei auszuüben.

Wenn wir uns aber die Diskussion über Trophäenimportverbote anschauen, sehen, wie oft Jäger Opfer von Shitstorms werden, glauben wir, dass wir schon jetzt Gefahr laufen, vor allem die Auslandsjagd nicht mehr ohne Einschränkungen betreiben zu können. Gesehen, haben wir das in Botswana und der Schweiz.

Wir schaufeln uns unser eigenes Grab.

Eine der wichtigsten Unterpunkte unter dieser Säule ist unser Image, das was die Gesellschaft und Politik über uns denkt, weil sie über uns entscheiden.

Alle Jagdpraktiken, die biologisch nicht zu rechtfertigen sind, sollten wir deswegen versuchen in unserem Brauchtum zu ersetzen und vor allem darauf achten, wie und mit welchem Material wir Jäger uns nach außen präsentieren.

Also um nachhaltig im Sinne der sozio-kulturellen Säule zu jagen, bleibt uns Verbesserungspotential.

Die Jagd ist eine Lebenseinstellung, ein Lifestyle, es ist Verantwortung übernehmen, es ist das Managen des Human-Wildlife Konflikts, es sind die spannenden Erfahrungen, die wir mit unseren Jagdfreunden erleben, es ist die Diskussion über Wildtiere und ihre Lebensweise, es ist die absolute Entspannung beim Sonnenaufgang in aller Ruhe alleine im Revier zu sitzen und es ist die Spannung und der Adrenalinschub in fremde Kulturen einzutauchen und in neuer Umgebung seine erlernten Fertigkeiten zu beweisen und zu erweitern.

Wir haben bestimmte Teile der sozio-kulturellen Säule genommen und diese in ein Bewertungssystem für Jagdreisen gesteckt, damit wir Nachhaltigkeit endlich anfangen können messbar zu machen:

jagdreisencheck.de_JagdreisenBewertungen_sozio-kulturell.

Beispielsweise die Einführung in lokale Jagdgepflogenheiten. Es gibt Länder, in denen läuft es ganz anders als bei uns. Das beginnt schon bei dem Thema Kugelfang und endet bei der Jagdkultur. Damit Fehler vermieden werden, solltest Du über diese Dinge aufgeklärt werden. Hattest Du die Möglichkeit zum Kontrollschuss? Wir haben schon so oft von Veranstaltern gehört, dass Jäger ihnen erzählen, dass sie letzte Woche erst auf dem Schießstand waren und alles passt. Sich aber nach einer Reise von 10.000 km am Ende wundern, dass die Waffe doch nicht mehr geradeaus schießt.

Teilen wir unsere Erfahrungen über Veranstalter und ihre Praktiken, können wir alle zusammen Anreize schaffen, damit sie, Du, ich und wir alle nachhaltiger jagen und uns genau daran messen. An unserem Kredo für Artenschutz und Artenvielfalt.

Bewerte jetzt Deine letzte Reise und sorge dafür, die Jagdreisenbranche fit für’s 21. Jahrhundert zu machen.

Wir würden uns sehr freuen!

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