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Zusammenfassung


Die Motivation zu jagen ist so unterschiedlich wie die Tierarten verschiedener Kontinente. Jeder hat seine ganz eigenen Gründe sich in seine Jagdbekleidung zu schmeißen und Zeit im Revier zu genießen. Vor allem die emotionale Seite unserer Passion darzustellen ist äußerst schwierig, doch um der Gesellschaft zu erklären was wir machen, sollten wir zuerst rational erklären, warum die Jagd unabdingbar ist. Wir Jäger balancieren den "Human-Wildlife Konflikt" und werden gleichzeitig Teil der Natur, anstatt sie nur zu besuchen. Das gilt auf der Jagd zu Hause, so wie auch bei Jagdreisen im Ausland.




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Wir schlafen auf 1300 Metern Höhe in einer kleinen Holzhütte in den slowenischen Karawanken. Fließend Wasser, Strom aus der Steckdose oder einen elektrischen Kühlschrank gibt es nicht. Das stille Örtchen, ein rundes Loch im Boden mit hölzernem Donnerbalken steht neben der Hütte. Falls man möchte, kann mit einer Gießkanne geduscht werden. Genau meine Art des Jagens! Mitten in der Natur, kein Luxus, kein Handy, kein Stress. So beginnen kleine Abenteuer.

Unser Aufenthalt war geprägt von langen Märschen im Gebirge, dem Abglasen zahlreicher Felswände, Ansitzen mit fantastischen Ausblicken und nicht zuletzt tollen Geschichten am Lagerfeuer.

Vielen von uns fällt es schwer zu erklären, warum wir jagen. Die Diskussionen mit Menschen, die nicht verstehen, wie man anderen Mitgeschöpfen das Leben nehmen kann, sind nie einfach. Selbst unter uns Jägern enden Gespräche über die Hege, das Verwerten der Tiere und Maßnahmen zur Lebensraumverbesserung aufgrund ihrer Komplexität meist in hitzigen Diskussionen.

Auf die Frage „Warum jagst Du?“ gibt es nicht die eine Antwort.

Anfang des Jahres saß ich mit meinem guten Jagdfreund dem westwoodhunter beim Essen zusammen und wir diskutieren genau über dieses Thema. Es fällt schwer- von den rationalen Gründen abgesehen- zu beschreiben, warum wir jagen. Nachdem wir uns dreimal im Kreis gedreht hatten, sagte Philipp schließlich folgendes:

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Es ist das Zusammenspiel der Elemente, das Wild, das Verbunden sein mit der Natur, das Beobachten von Lebewesen. Bei der Jagd arbeite ich mit den landschaftlichen Gegebenheiten, ich achte auf den Wind, suche Deckung und passe meine Bewegungen an. Ich werde ruhig und lebe einfach im Moment und ohne Ablenkungen. Ich bin mitten drin, ein Teil der Natur. Beim Spazieren, Mountainbiken und allem anderen steht der Mensch selbst und seine Aktivität im Mittelpunkt. Bei der Jagd nicht. In meinen Augen kann man das nur nachvollziehen, wenn man es selbst erlebt hat.

Deswegen ist diese Seite der Jagd so schwierig zu vermitteln, anderen diese Gefühle nahezubringen, ohne es erlebt zu haben, ist nicht einfach. Warum? Weil für sie die prominenteste Aktivität bei der Jagd das Töten ist. Sie unterliegen dem Bambi- Effekt und haben oft einen reellen Bezug zur Natur verloren. Das soll bei weitem kein Vorwurf sein. Seitdem wir kleine Kinder sind, ist der Mensch (meist durch den Jäger repräsentiert) der Störenfried in allen tierischen Comicfilmen. Töten wird gesellschaftlich nicht akzeptiert und dass es tatsächlich Menschen gibt, die glauben, dass für das Fleisch im Supermarkt kein Tier gestorben ist, zeigt, wie weit entfernt unser tägliches Leben von der Natur stattfindet.

Was antworte ich, wenn mich jemand fragt „Warum jagst Du?“. Typischerweise wird mir diese Frage von Leuten gestellt, die keine jagdlichen Erfahrungen haben.

Was in unserer Ausbildung oft nicht besprochen wird, ist der sogenannte „Huma-Wildlife Konflikt“ , der Konflikt zwischen Mensch und Natur, und woher dieser rührt.

Prof. Klaus Hackländer schreibt in einer wissenschaftlichen Abhandlung zum Thema folgendes:

 „Natur, also eine Fläche ohne jeglichen menschlichen Einfluss, kann es vor diesem Hintergrund nirgendwo geben. Schließlich hat der Mensch selbst in streng geschützten Wildnisgebieten einen Einfluss auf die Natur, z.B. durch den Eintrag von anthropogenen Schad- oder Nährstoffen über die Luft.“ Mehr Details findest Du hier.

Das bedeutet: Es gibt kein Fleckchen Erde, dass wir Menschen nicht verändert oder beeinflusst haben. Schauen wir uns kurz unsere Heimat an. Wir kultivieren Felder, auf denen wir Nahrung anbauen. Wir schaffen Wiesen, auf denen wir Tiere züchten, betreiben Forstwirtschaft, indem wir Wälder so beeinflussen, dass wir möglichst viele, gerade gewachsene Baumstämme ernten können und bauen Häuser, Schulen, Kinos und Straßen, um unser Leben so angenehm wie möglich zu gestalten. Durch unsere Abgase treiben wir die Klimaerwärmung voran, die unter anderem dem Eisbären den Lebensraum wegnimmt. Wir verändern also in großem Stil die Welt, damit sie besser auf unsere Lebensweise zugeschnitten ist.

86 % der Säugetiere und Vögel auf der Roten Liste haben ein gemeinsames Problem. Sie sind gefährdet, weil wir Menschen ihren Lebensraum immer weiter verkleinern.

Dadurch entstehen Konflikte. Wildschäden an landwirtschaftlichen Feldern, wie Mais oder Weizen. Schäden an forstwirtschaftlich genutzten Flächen, wie das Schälen der Rinde an Bäumen oder Verbiss des Leittriebes bei wachsenden Jungpflanzen. Autounfälle mit Wildtieren oder sogar Lebensgefahr für Mensch oder Nutztier, wie in jüngster Zeit nun auch der Wolf bei uns zeigt.

Wir alle sorgen für diesen Konflikt, ob Vegetarier, Veganer, PETA Anhänger, Jäger oder der stereotypische PC-Gamer im Keller seiner Eltern. Wir alle benutzen Verkehrsmittel, leben in Häusern, essen Getreideprodukte und ein Großteil von uns auch Fleischerzeugnisse.

Wir Jäger versuchen eine Balance herzustellen. Wir versuchen meist die Kulturfolger (die Tierarten, die mit dieser Veränderung sehr gut zurechtkommen) zahlenmäßig zu dezimieren, um vor allem den wirtschaftlichen Schaden gering zu halten (z.B. Wildschäden, Autounfälle, Seuchen). Die Kulturflüchter versuchen wir zu unterstützen, in dem wir ihren Lebensraum verbessern (z. B. durch das Anpflanzen von Hecken) oder die Raubwildbejagung, damit dieses keinen zu großen Druck auf die Populationen der Kulturflüchter ausüben können.

Ich versuche den Leuten zu erklären, dass wir alle im selben Boot sitzen und für diesen Umstand des Human-Wildlife Konflikts verantwortlich sind. Wir Menschen, Du und ich, sind mitschuldig am Aussterben vieler Tierarten. Wir Jäger übernehmen Verantwortung und versuchen den Konflikt zu balancieren, damit verschiedenste Tierarten mit uns Koexistieren können. Aktiver Artenschutz eben!

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Abschließend möchte ich Dir noch ein - in meinen Augen tolles Video - mit an die Hand geben. Tim Barnett schafft es in seinem Kurzfilm Jagd und Jagdreisen so darzustellen, dass ich finde es wäre sogar einen Versuch wert, damit nicht-jagenden Menschen das emotionale der Jagd näherzubringen. Es fällt nicht einmal ein Schuss. Ein toller Ansatz, das Töten aus dem Mittelpunkt der Jagd herauszurücken.

„I can’t change the minds of all who don’t understand, but I can take care of how I represent the hunt“

Wie das Bewerten von Jagdreisen uns helfen kann, unsere Passion richtig darzustellen




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